Dialoge quer durchs Kirchenschiff
Kritik aus: Kölner Stadtanzeiger, 30. Sept. 2003
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Dialoge quer durchs Kirchenschiff
von Michael Thalken
Ein außergewöhnliches Konzert erlebten die Besucher der Basilika am Sonntagnachmittag.
Kall-Steinfeld – „Wir folgen unserer Eingebung, dem inneren Hören, und spielen, was uns die richtigen Töne scheinen“, so erklärte der Trompeter Markus Stockhausen am Sonntag in Steinfeld ein musikalisches Geschehen, das alles andere als alltäglich war. Gemeinsam mit Tara Bouman, die es als eine der ganz wenigen Klarinettistinnen geschafft hat, Solokonzerte mit Werken des Stockhausen-Vaters Karlheinz spielen zu dürfen, stellte der wohl innovativste deutsche Trompeter das Programm „Bewegende Klänge – komponierte und intuitive Musik“ vor.
Spielend zogen die beiden Musiker zunächst durch das Mittelschiff in die Kirche ein und machten so schon deutlich, dass in ihren Werken der Bewegung eine ganz besondere Bedeutung beigemessen wird. Nicht nur um musikalische Bewegung, um das Zuwerfen von Motiven, auf die sie gegenseitig reagierten, schien es ihnen zu gehen, sondern auch um ihre eigene Bewegung im Raum selbst.
So richtete Stockhausen während seines Spiels die Schallöffnung seiner Trompete auch schon mal in Richtung Hochaltar. Oder die beiden Musiker suchten die beiden entferntesten Ecken der Basilika auf, um über eine Entfernung von vielen Metern dennoch miteinander in den musikalischen Dialog zu treten.
Was dabei herauskam, war atemberaubend: Mal schienen lang gezogene Triller die steinerne Statik des Kirchenschiffs in Vibrationen zu versetzen, dann wieder produzierten Trompete und Klarinette wunderschöne Melodien, die den Eifeldom abzutasten schienen und behutsam in jede Ecke und Nische vordrangen, ohne dabei profan zu wirken.
Ein anderes Mal improvisierte Stockhausen über den dumpfen Ton eines großen Gongs, oder Tara Bouman warf mit ihrer Klarinette lauter Fragen gegen die Kirchendecke, die von der Akustik der Basilika eigentümlich beantwortet wurden. Manchmal schien das gesamte Gewölbeminutenlang zu summen.
Auch das Publikum wurde in die Aufführung mit einbezogen. Stockhausen wies die zahlreichen Besucher an, einen Grundton zu singen, eine Oktave und eine Quinte. Die Zuhörer entrollten daraufhin in der Tat einen leisen Klangteppich, über den Tara Bouman eindrucksvoll ihre Klarinette erklingen ließ. Ein anderes Mal bekamen einige der Zuhörer kleine Zimbeln in die Hand, die sie ab und an gegeneinander schlagen sollten. Die Musik, die dabei entstand, hatte etwas Tibetisches und wurde gewissermaßen erst schlagartig ins christliche Abendlandzurückgeholt, als die Glocken der Basilika in die Musik mit einfielen.
Mehr und mehr gelang es den beiden Musikern, Raum, Zeit und Zuhörer gleichermaßen zu Konstituenten des musikalischen Ereignisses werden zu lassen und damit dem Geschehen durchaus auch eine spirituelle Dimension zu verleihen. Doch trotz des gemeinschaftlichen Erlebens hatte jeder Zuhörer auch wieder sein eigenes, ganz privates Konzert. Denn je nach dem, wo man saß, brachen sich die Klangwellen anders am Gemäuer, und Klang und Gegenklang interferierten an jedem Punkt der Kirche ganz einzigartig.![]()
Aus dem Projekt Klangvisionen:
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Biografie:
M. Stockhausen
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Pressefotos:
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Tourplan:
M. Stockhausen
Tara Bouman
