"Ich fordere die Eingebung heraus"
Kritik aus: Kölner Stadt-Anzeiger, 22. Apr. 2008
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"Ich fordere die Eingebung heraus"
Markus Stockhausen und Rolf Zavelberg im Gespräch über Musik und Licht
von Marianne Kierspel
Der Musiker und der Lichtkünstler beenden im Juni ihre Reihe 'Klangvisionen' in St. Maternus
KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Stockhausen, warum nennen Sie Ihre Improvisationen „intuitive Musik“?
MARKUS STOCKHAUSEN: Für mich ist Improvisation ein Spiel nach vorgegebenen Strukturen, sei es ein Thema, ein Harmonieschema, ein Rhythmus...Intuitive Musik entsteht ganz ohne solche Strukturen. Man macht sich leer von allen Inhalten und horcht in sich hinein: Welcher Ton passt jetzt zum Raum, zum Publikum, zu meiner Gemütsverfassung? Ich fordere sozusagen die Eingebung heraus, das ist ja mit Intuition gemeint.
Gelingt das auch mit Partnern?
MARKUS STOCKHAUSEN: Ja, wenn sie Ähnliches wollen und ähnlich geschult sind. Je weiter das Erfahrungsspektrum eines Musikers ist, desto vielseitiger und gewählter kann er sich ausdrücken.
Brauchen Sie Partner, die eine ähnlich umfangreiche Ausbildung haben wie sie selbst?
MARKUS STOCKHAUSEN: Es geht jedenfalls umso besser, je mehr man gelernt hat. Bei mir gehört dazu die Klassik mit den Trompetenkonzerten, Klavierstudien, die zeitgenössische Musik, vor allem die Zusammenarbeit mit meinem Vater, aber auch mit anderen Komponisten, dazu Jazz, Big Band- und Ensemblespiel. Wir hatten schon während des Kölner Studiums bei Manfred Schoof und Kurt Edelhagen die Gruppe „Key“, später gab es die Gruppe „Kairos“ mit meinem Bruder Simon.
Auch ein Lichtkünstler weiß wohl bei Stockhausen vorab nicht, was er spielen wird...
ROLF ZAVELBERG: Stimmt. Da muss ich mich hineinfühlen und auf die Musik hören.
Was können Sie denn abrufen?
ZAVELBERG: Ich installiere vor jedem Konzert 40, 50 Lampen und bereite Elemente vor für Bildkompositionen aus Licht. Damit kann ich dann während des Konzerts am Lichtpult spielen.
Arbeiten Sie erst seit Ihrer Reihe in St. Maternus zusammen?
STOCKHAUSEN: Es gab vorher eine kleine Serie in der Lutherkirche...
ZAVELBERG: ...aber da habe ich nur den Raum mit Licht gestaltet. Auch hier in St. Maternus habe ich zuerst nur eine Atmosphäre geschaffen, über meine Gemälde, herausgehobene Architekturelemente oder Blumen. Einen Rahmen, in dem die Musiker sich wohlfühlen und das Publikum sich auf die Musik einlassen kann. Erst später kam das bewegte Licht. Markus brachte eines Tages ein kleines Lichtpult und eine Leinwand mit.
Wie eigenständig darf das Licht zu Ihrer Musik sein?
STOCKHAUSEN: Beim Spiel schließe ich oft die Augen, sehe also kaum, was mein Freund macht. Ich lasse ihm freie Hand.
Raum und Akustik in St. Maternus sind ja gut für Ihre „Klangvisionen“. Gab es denn Schwierigkeiten mit dem Pfarrer?
ZAVELBERG: Nein, im Gegenteil...
STOCKHAUSEN: ...wir haben hier beste Bedingungen und viele Fans, die immer wiederkommen.
Warum wollen Sie dann aufhören?
STOCKHAUSEN: Wir sind im achten Jahr hier. Das letzte Konzert im Juni ist das 108. Jetzt kam das Gefühl auf: es ist genug. Das ist keine Entscheidung gegen etwas, sondern für etwas Neues, für einen neuen offenen Raum.
Gibt es den in Köln etwa schon?
STOCKHAUSEN (lacht): Wenn, dann nur in mir. Es geht auch um ein Resümee meiner Arbeit als Musiker. Ich habe in den letzten sieben Jahren viel komponiert. Rolf Zavelberg verlegt die Werke, und wir geben sie auf CD heraus. Das ist viel Arbeit. Ich sehe die Veränderung auch als Sprungbrett in eine offene Zukunft. Wir wollen einfach mal tief Luft holen!
Das Gespräch führte Marianne Kierspel. Die letzten Stockhausen-Konzerte in St. Maternus am 22. Mai und am 14. Juni beginnen jeweils 21 Uhr.“ Kölner Stadt-Anzeiger, 22.04.08![]()
Aus dem Projekt Konzertreihe Klangvisionen Köln:
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M. Stockhausen
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M. Stockhausen
