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Traummusik eroberte Ohren und Herzen im Sturm

 
Kritik aus: Remscheider Generalanzeiger, 22. März 2002


Remscheider Generalanzeiger

Traummusik eroberte Ohren und Herzen im Sturm 

Das Trio Markus Stockhausen, Arild Andersen und Patrice Héral riss das Publikum beim 7. Philharmonischen Konzert im Teo Otto Theater von den Sitzen

von Frank Becker

Remscheid. „Grenzgänge“ war das Programm des 7. Philharmonischen Konzerts überschrieben, weil nicht die Normalkost sinfonischer Abende auf dem Menu stand. Fast entschuldigend auch die Ansage von Generalmusik- direktorin Romely Pfund, nach der Pause werde es etwas leise. Doch was Chor und Bergische Symphoniker brillant und hochmelodisch nach der Pause mit John Rutters „Magnificat“ und dem Main-Title aus „Star Wars“ zeigten, hatte keine Chance, auch nur im Ansatz das zu erreichen, womit im ersten Teil Maßstäbe gesetzt wurden.

Selbst die vorzügliche Sopranistin Nuria Riál, eine Frau mit einer anrührenden Stimme von der Klarheit eines Frühlingsmorgens, konnte nicht die Emotionen wecken, die nach dem ersten Teil das völlig aufgelöste Publikum mit begeisterten Bravos und Jubelrufen von den Sitzen gerissen und zu zehnminütigen Ovationen bewegt hatte.

Sogar Tränen der Begeisterung waren zu sehen, als Romely Pfund den Stab senkte und den Weg für einen Applaus frei gab, wie er bislang wohl selten ihrem Orchester und den Gastsolisten zuteil geworden ist. Der Jazz hatte mit den drei begnadeten Solisten Markus Stockhausen (Trompete, Piccolo- trompete, Flügelhorn), Arild Andersen (Bass), Patrice Héral (Perkussion, Stimme) und zwei grandiosen Uraufführungen triumphalen Einzug ins Remscheider Teo Otto Theater gehalten und Ohren wie Herzen im Sturm erobert.

Der Einstieg mit Arild Andersens Auftragskomposition für die Bergischen Symphoniker – den drei Stücken „S. Now“, „Awakening“, „Signal“ für Sinfonieorchester und Jazztrio – war eine Demonstration musikalischer Ästhetik, wie sie insbesondere in der innovativen skandinavischen Jazz-Szene gepflegt wird. Lyrische, ja meditative Traummusik mit gedämpfter Trompete, seelenvoll gezupftem und sanft über Hall gestrichenem, singendem Kontrabass und welt-musikalisch fantasievoll, oft nur mit den Fingern gespieltem Schlagzeug ließ vor dem Streicherteppich und den Blechbläserkaskaden des Orchesters Zeit und Raum vergessen.

Völlig neu für Streicher und Jazz-Trio gesetzt, erlebte im Anschluss Markus Stockhausens „Choral“ im Einklang mit „Sehnsucht“ für Orchester und Jazz-Trio, seine mitreißende Uraufführung. Während das Orchester, teils unter dem Doppeldirigat Pfund/Stockhausen, mit fetzigen Posaunen-Riffs, Streicherdynamik und Drive Big-Band-Qualitäten zeigte, verursachten Flügelhornsoli, delikate Dialoge Perkussion/Bass und ebensolche Solo-Passagen wohlige Schauer in Serie – ein aufregendes, wahnsinnig spannendes Hörerlebnis und eine Aufführung, die nur in Superlativen gewürdigt werden kann.

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