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Muster auf dem Schatten des Kreuzes

 
Kritik aus: Kölnische Rundschau, 7. Mai 2009


Kölnische Rundschau

Muster auf dem Schatten des Kreuzes 

Stockhausen gibt in St. Maternus ein Konzert der Reihe "Klangvisionen 2009"

von Angelika Staub

NEUSTADT-SÜD. Am Anfang ist ein Kreis, ein blauer Kreis, ganz vorne und unterhalb des Kreuzes. Ansonsten bestimmen ein paar flackernde Kerzen und einige blau beleuchtete Säulen die Stimmung in den Seitenschiffen. Der Rest der Pfarrkirche St. Maternus in der Südstadt liegt im Dunkel.

Es ist still. Markus Stockhausen tritt in den Chorraum, steht allein im hellen Rampenlicht. Und doch wirkt es anders: "Der Raum spielt mit", verspricht die Konzertüberschrift. Und sie sollte Recht behalten. Auch kündigt Stockhausen an, den Raum in Schwingungen zu versetzen und die Töne nachklingen zu lassen – es gelingt ihm.

Schon mit den ersten, wenigen Tönen, die Stockhausen in das romanische Bauwerk schickt, löst er sein Versprechen für alle Besucher nachvollziehbar ein. Indes hat Rolf Zavelberg den Chorraum in sanftes grünes Licht getaucht. Das Kreuz wirft Schatten, auf diesem Kreis wiederum bilden sich Muster. Als Blicke man durch ein Mikroskop auf Viren. Oder erinnern die Strukturen doch eher an Blumen?

Der Fantasie sind mittlerweile keine Grenzen gesetzt. Die Musik wird flotter. Jetzt wirft Markus Stockhausen höchstpersönlich Schatten. Beabsichtigt. Er setzt ab. Kurze Stille. Trompetenwechsel.

Langsam und ganz bewusst schickt der Musiker weitere Töne in die begrenzte Sphäre der Pfarrkirche, seine Augen dabei stets geschlossen. Der Musiker befindet sich längst auf Reisen – und sein Publikum auch. Wohin er gehen will, das bleibt jedem der Anwesenden selbst überlassen. Dann herrscht plötzlich wieder Stille. Draußen singen die Vögel ihr letztes Abendlied. Ein Auto fährt vorbei.

Der Trompeter Stockhausen setzt erneut an, und auf dem Kreis vorne am Kreuz bildet sich ein neues Muster. Das Leben ist eben bunt, und dieses Konzert wie viele andere von Stockhausen ist es auch. Es lässt sich problemlos in seine "Klangvisionen 2009' einreihen, verbindet Musik, Farben und Formen zu völlig neuen Eindrücken. Das Publikum reagiert begeistert.


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