Geburt des Tons aus der Stille Markus Stockhausens Ensemble "Kristall"
Kritik aus: Kölnische Rundschau, 25. Juli 2002
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Markus Stockhausens Ensemble "Kristall"
Geburt des Tons aus der Stille
von Tasso Diedrich
Der voluminöse Kirchenraum von St. Maternus ist ein gigantischer Schallverstärker: Ein kleines Geräusch, das Klackern von Absätzen oder Rascheln von Papier setzt sofort den riesigen Hallmechanismus der Architektur in Gang, der den Klang minutenlang als Decrescendo in die Länge zieht.
Ein Stoß aus der Trompete wächst hier zur allumfassenden Fanfare an, die sich tausendfach im Gewölbe bricht. Insofern ist es ein Gegensatz, wenn Markus Stockhausen das erste Konzert mit seinem neuen Ensemble Kristall" unter den Titel "Stille Musik" stellt. Gibt es absolute Stille für den Menschen selbst im schalltoten Raum nicht, lässt sich die Vorstellung davon nur auf philosophischem Weg erreichen.
Und es ist genau dieser Weg, den der Trompeter mit seiner jüngsten Komposition beschreitet: Mit verklingenden tonalen Mitteln das stille Gegenteil als Möglichkeit aufleuchten zu lassen. Für das Premierenkonzert in St. Maternus hat Stockhausen sich selbst und seinen Musikern Monica Meggendorfer (Sopran), Tara Bouman (Klarinetten), Andrea Dulbecco (Vibrafon) und Mark Nauseef (Perkussion) – nur wenige ausnotierte Themen vorgegeben. Hiervon geht das Ensemble aus, hierhin kehrt es immer wieder zurück.
Dazwischen bleibt es jedem Musiker freigestellt, intuitiv vorzugehen, ungebunden zu improvisieren und damit Stockhausens Vorstellung zu erfüllen, mit einem Maximum an schöpferischer Ausdruckskraft spontan "aus dem Jetzt in die Zukunft" weisende Musik zu schaffen. Das gelang dem Ensemble in seiner 75minütigen Darbietung voll und ganz: Mit zarten, weichen und meditativen Tonbögen begann das Konzert, führte im Mittelteil in dunkle metallische Geräuschkulissen mit stark solistischen Zügen (Vibrafon und Trompete), um am Ende zu hymnischen Melodien zurückzukommen.
Schönheit und Glanz, Ruhe und Feinheit bestimmten das gesamte Konzert. Konzentriert setzten die Musiker ihre Akzente mit viel Raum für jeden einzelnen Klang – mit einer für die Zuschauer sehr entspannenden und meditativen Wirkung. So erwies sich am Ende die Stille als Grundvoraussetzung für ihr Gegenteil – den Klang, der sie erfüllt.![]()
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