Durchdringende Stille für intuitive Musik
Kritik aus: Kölner Stadtanzeiger, 17. März 2005
![]()
Durchdringende Stille für intuitive Musik
Markus Stockhausen veranstaltete in der Kölner Maternus-Kirche ein dreitägiges Festival.
von Hans-Jürgen Osterhausen
Angezogen wird der Blick von einer hellen großen Scheibe, die den Altarraum verdeckt und den hohen Raum über demselben auf geheimnisvolle Art erleuchtet. Vor dieser Scheibe bewegen sich die Musiker, werfen ihre Schatten auf das helle Rund, in Farbe getauchte Abbilder der Musik. Der große Raum der Südstadt-Kirche St. Maternus, die Farbe, das Licht und die durchdringende und andachtsvolle Stille sind der besondere Rahmen, in den Markus Stockhausen, Trompeter mit ausgeprägtem Jazzhintergrund, seine von ihm "intuitiv" genannte Musik seit dem Jahr 2000 setzt. Rolf Zavelberg, gleichzeitig auch sein Manager, gestaltet die Lichtinstallationen.
Neuinterpretation aus dem Geist des Jazz
Sowohl solo als auch in Begleitung von bekannten Musikern ist Stockhausen regelmäßig zu hören. Nun hat er einige dieser musikalischen Begleiter eingeladen, drei Abende lang in sieben Konzerten und einem sonntäglichen Kinderkonzert mit ihm eine Bilanz in wechselnden Besetzungen zu ziehen. Stockhausens klarer Ton – auf seinen unterschiedlichen Instrumenten (Trompeten und Flügelhorn) in den Klangfarben variiert – erfüllt den Raum mit seinen Kompositionen und persönlich, virtuos und emotional geprägten Improvisationen auf eine verinnerlichte Art, die den Begriff "intuitiv" verständlich macht. Auch wird deutlich, dass er den von seinem Vater Karlheinz Stockhausen vor etlichen Jahren auf intellektuelle Art definierten Begriff weiterentwickelt hat und mit seinen vor allem aus dem Jazz kommenden persönlichen Mitteln neu interpretiert.
Rhythmisch geprägte Jazzfloskeln drehen sich nach innen, verwandeln sich in spannungsvolle und kontemplative Ideen, deren Ziel es ist, den Raum als spirituelle Einheit wahrzunehmen. Tara Bouman, Klarinettistin vor allem im Bereich der Neuen Musik, kommt ihm darin am nächsten. Auch der italienische Pianist Angelo Comisso hat seine Ursprünge in der Neuen Musik, findet aber über stilistische Nebengleise à la Keith Jarrett auf einen eigenen Weg, vor allem im Trio mit Stockhausen und dem höchst sensiblen und virtuosen Kölner Schlagzeuger Christian Thomé.
Keltische Assoziationen klingen mit der Stimme der Irin Noirin Ni Riain auf, vertiefen den ungewollt mystischen Eindruck, während der in Hamburg lebende Perkussionist Mark Nauseef aus einer großen Sammlung unterschiedlicher Gegenstände unerwartete Klänge zaubert.
Vor allem aber der immer wieder präsente englische Altmeister seit Free-Jazz-Zeiten, Evan Parker, fasziniert das Publikum mit einem seiner geradezu legendären Sopransaxophon-Soli, 15 Minuten lang ohne Luftholen, unterstützt von seiner einmaligen zirkularen Atemtechnik. Gegen Ende des Festivals öffnet dann noch der tunesische Ud-Spieler Dhafer Youssef den musikalischen Gedankenaustausch hin zur arabischen Welt. Gespannt sein darf man nach diesen drei Tagen, ob die musikalische Bilanz Markus Stockhausens und seiner Freunde auch Wege in die Zukunft eröffnet. Am 9. April wird man sich bei seinem nächsten Duo Abend mit dem Altsaxophonisten Heiner Wiberny, einem langjährigen Mitglied der WDR Big Band, darüber Gedanken machen können.![]()
Aus dem Projekt Konzertreihe Klangvisionen Köln:
Projektinfo
Biografie:
M. Stockhausen
Rolf Zavelberg
Pressefotos:
M. Stockhausen
Rolf Zavelberg
Tourplan:
M. Stockhausen
