Zwischen Genres und Stilen
Kritik aus: Kölner Stadtanzeiger, 26. Okt. 2005
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Zwischen Genres und Stilen
Der WDR vergab zum zweiten Mal nach 2004 Jazzpreise.
von Martin Woltersdorf
Der WDR-Jazzpreis 2005, ausgelobt als Honorierung herausragender Leistungen in der Szene NRW, geht an Marko Lackner (im Bereich Komposition und Arrangement für Bigbands) und an den Trompeter Markus Stockhausen (in der Kategorie Jazzimprovisation). Beide Kategorien sind mit je 10 000 Euro dotiert. Ferner erhalten einen Sonderpreis zu gleichen Teilen das Duo "Cold Fusion" (Charlotte Klauser, Piano, Ian Griffiths, Gitarre) von der Rheinischen Musikschule und die Bigband des Franz-Stock-Gymnasiums in Arnsberg (je 5000 Euro). Anlässlich der Preisverleihung in Köln würdigte Hörfunk-Direktorin Monika Piel die herausragende Stellung der Jazzszene NRW.
Die Ehrung des 1957 in Köln geborenen Vielseitigkeits-Musikers Markus Stockhausen ist überfällig. Er ist ein Ästhet, der trotzdem Reibungspunkte nicht scheut. Er verschweißt mehrere stilistische Schienen. Und überwindet locker die Grenzen zwischen E- und U-Musik. Jahrzehntelang schaffte er den Spagat, im Jazz jeden Winkel der Improvisation auszuloten und gleichzeitig in den Werken seines Vaters Karl-Heinz Stockhausen die Trompeten-Parts zu spielen, die der für ihn schrieb. Das wichtigste in der Improvisation ist ihm die Freiheit und der spontane Austausch mit anderen Musikern. Genau das bot der Blechbläser in seinem Auftritt zur Preisverleihung: In Duos mit Frank Chastenier (Klavier), Arild Andersen (Bass) und Tara Bouman (Bassklarinette) sowie abschließend gemeinsam in einem Quartett und Trio.
Auch Marko Lackner bewegt sich gerne zwischen Genres und Stilen. Er rückt Jazz in die Nähe der europäischen Musiktradition, unterwirft ihn aber auch aktuellen Zeit-Strömungen. Lackner, 1972 in Feldkirchen (Österreich) geboren, ließ sich als Saxophonist in Klagenfurt und Graz ausbilden. Begann dann ein Kompositionsstudium bei Heinz Cadek, das bei Bill Dobbins in Köln endete. Meriten erwarb sich Lackner in Arbeiten für das holländische Metropol Orchestra, der Jazzbigband Graz sowie der NDR-Bigband. Die Stücke, die er jetzt anlässlich der Verleihung mit der WDR-Bigband aufführte, zeugen von Tiefgang und sind doch von bemerkenswerter Durchsichtigkeit. Lackner nimmt sich von allem die Essenz und schafft eine Symbiose ohne Krampf.
Zuvor hatten zwei Riesentalente, erst 15 Jahre jung, mit einer Retro-Musik aus Rock und Jazz überrascht: "Cold Fusion". Ein Herz und eine Seele demonstrierte die FSG-Bigband aus dem Sauerland mit ihrer Leiterin Antje Tetzlaff.
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