LICHT LEITER
Projekt „LICHT LEITER“
LICHT LEITER
Der Kreuzgang ist ein besonderer Gebäudeteil für das Klosterleben. Kreuzgänge sind Transportwege der wichtigen Versorgungsgüter für die Klosterbewohner – von draußen nach drinnen. Zugleich sind sie Weg–Anlage für das Stillewerden, für Vertiefung und Meditation, also Transportwege zur Versorgung des Innen. Die geometrische Grundstruktur ist das Vier-Eck. Die Zahl vier steht für eine feste Ordnung unterschiedlicher und doch zusammen- gehörender Grundelemente, Himmelsrichtungen und Jahreszeiten. Die ersten Architekturpläne für Kreuzwege stammen aus dem Jahre 820 für das Kloster Sankt Gallen, diese Vorlage wurde jahrhunderte lang durchgehalten.
Der Kreuzgang ist – in des Wortes buchstäblicher und symbolischer Bedeutung – angelegt zum Gehen, zum Wandeln und nicht zum Hasten, zum Eilen. So ist er die Einladung zum DURCH-GEHEN und NACH-DENKEN über
Schnelligkeit und Langsamkeit
Hektik und Behutsamkeit
Zielstrebigkeit und Innehalten
Gradlinigkeit und Umwege
Sein und Werden
Bei vielen Kreuzgängen sind einige Teile dieses Quadrums in die Lichtseite der Klosteranlage hineingebaut, ein Teil fast immer in die Schattenseite. In der Mitte des Quadrums befindet sich meistens ein Brunnen, dessen Wasser erfrischt in der Unterbrechung des Gehens und für das Weitergehen. Er ist Erinnerungssymbol an Taufe und Neu geboren werden. Die Verbindungswege zu dieser Mitte und ebenso die Zugänge und die zum Kloster/Kirche hin sich öffnenden Wege sind in ihrer Kreuzform (manchmal abgewandelt) Wegzeichen des christlichen Glaubensweges.
Kreuzgänge sind in Form und Funktion eine VORGABE mit der Offenheit und Möglichkeit für Wahlentscheidungen: Wo, wie und wie lange jeder Besucher nachdenklich geht. In der oft überfordernden Vielfältigkeit der äußeren Einflüsse, der Lebensentwürfe und der Reizüberflutungen wird im Kreuzgang eine klare Struktur vorgezeichnet. Man soll im Kreuzgang alleine gehen, d.h. MIT SICH GEHEN.
Die Kreuzweginstallation für die vier- zig Tage Fastenzeit 2007 in der St. Maternus Kirche unter dem Titel „LICHT – LEITER“ ist gefertigt von Rolf Zavelberg und seinem Team (Gordon Axmann und Frank Hasenstab). Aus Leuchtschnüren gelegt zeichnet ihre äußere Umgrenzung das Kreuz nach und bietet Wege dieses zu durchschreiten. Um zur Mitte zu gelangen muss man zunächst einen „Umweg“ gehen. Die Installation ist eine Einladung zum Innehalten und Nachsinnen über seinen jeweils eigenen Weg. Die St. Maternuskirche als Oase der Stille bietet hierzu einen gleichsam angenehmen wie anregenden Schutzraum.
Josef Embgenbroich, Pfarrvikar
Aus dem Projekt Licht- Inszenierungen von Rolf Zavelberg:
Projektinfo
Biografie:
Rolf Zavelberg
Pressefotos:
Rolf Zavelberg
