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Markus Stockhausen in Kaiserslautern Komponisten-Porträt

 
Review from: Reiner Henn, 7 Apr 2008


Komponisten-Porträt

Markus Stockhausen in Kaiserslautern 

by Reiner Henn

Die Konzertreihe "Impulse" porträtierte am Samstag (5.4.08) in der Fruchthalle Kaiserslautern den Komponisten Markus Stockhausen, Sohn des im vergangenen Dezember verstorbenen Komponisten Karlheinz Stockhausen. Dabei feierte der bei dem Konzert mitwirkende Markus Stockhausen sowohl als Interpret wie auch als Komponist einen großen Erfolg mit Stücken, die zwischen 2001 und 2006 entstanden. Stilistisch waren allerdings große Unterschiede zwischen Vater und Sohn festzustellen.

Zum Auftakt stellte die Instrumentalistin Tara Bouman eine Rarität vor: Das um 1760 aufkommende Bassetthorn ist eigentlich eine Altklarinette. Es wurde beispielsweise von Wolfgang Amadeus Mozart, Felix Mendelssohn Bartholdy oder Richard Strauss eingesetzt. Wie die Wahl dieses Soloinstruments zeigt, will Stockhausen mit seinem Werk Tradition und Innovation miteinander verbinden. Kompositorisch gelingt ihm dabei eine Synthese aus spätromantischem Klangideal und Jazz-Elementen, durchsetzt mit experimentellen Klangtechniken.

Lange Halte-Töne schienen bei dem Stück Gesangslinien zu ergeben, aber immer wieder durchpulst von jazzigen Episoden mit gestalterischem Freiraum für die spielerische Brillanz der Solistin. Reizvolle Dialoge zwischen ihr und den verschiedenen Klanggruppen der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern zeugten vom kammermusikalischen Geist dieser ansprechenden Musik.

Der Grenzgang zwischen Jazz, Neuer Musik und Klassik, mit Elementen der Unterhaltungsmusik angereichert, kam noch besser zum Ausdruck bei einer Art Programm-Musik mit dem Titel "Sonnenaufgang". Dabei wurde ein Jazztrio dem Orchester gegenübergestellt. Diese beiden Partner symbolisierten bei ihrem Mit-, Nach- und Gegeneinander verschiedene Klangwelten. Und doch gelang es Stockhausen hier, die Gegenspieler miteinander zu verschmelzen. Am Ende: ein überraschender Effekt. Die Orchestermusiker verließen – immer noch spielend – die Bühne. Diese Einlage sollte wohl eine Art Reminiszenz an Haydns Abschiedssinfonie sein.

Fugenartig gestaltete Passagen im nachbarocken Stil wiesen Stockhausen bei der gesamten Darbietung als profunden Kenner musikhistorischer Satz- und Kompositionstechniken aus. Ein Sonderlob gebührt dabei dem Bassisten Arild Andersen, der virtuos eigene Akzente setzte – ebenso wie Stockhausen selbst auf der Trompete mit kühnen Improvisationen in Blues-Rhythmen.

Mit der Konzert-Fantasie "Miniatur einer Seelenreise" für Trompete und Streichorchester gestaltete Stockhausen auf der Basis eines romantisierenden Klangteppichs seine Kantilenen und Kapriolen im stilistischen Spannungsfeld zwischen Romanze einerseits und Jazz-Ballade andererseits. Dabei nahm der 1957 geborene Komponist mit seinem sehr kultivierten, fein nuancierten und locker-leichten Trompetenton als Interpret für sich ein.

Auch mit den ebenfalls sehr interessanten Werken "Choral und Sehnsucht" schaffte es Stockhausen kompositorisch, eine von den bestens disponierten Blechbläsern entwickelte Choralmelodie im Stile Anton Bruckners ohne Bruchstellen in atemberaubenden Soli von Kontrabass und Schlagzeug organisch weiterzuführen. Es schien, als sorge hier die Trompete von Stockhausen für den versöhnlichen, harmonischen Ausgleich der musikalischen Spannung.

Insgesamt sind Stockhausens Kompositionen raffiniert instrumentiert, sie nutzen alle Klangfarben und breiten Klangflächen aus. Der Deutschen Radio Philharmonie unter Chefdirigent Christoph Poppen glückten klanglich und stilistisch angemessene Aufführungen, wobei Poppen den gestalterischen Frei- und Spielraum der Orchester-Partien durchaus zu nutzen wusste.


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