Die Entstehung von Intuition Markus Stockhausen
Review from: radiomagazin, 1 Mar 2009
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Markus Stockhausen
Die Entstehung von Intuition
by Frank von Niederhäusern
Markus Stockhausen aus Köln kann grooven. Seine Musik allerdings nennt der Trompeter "intuitiv", was nur aufs Erste etwas esoterisch klingt.
"Hören Sie diese Musik bitte laut", schreibt Markus Stockhausen im Begleittext zum Doppelalbum "Electric Treasures live in Bonn". Und all jene, die nicht im Besitz guter Musikboxen sind, bittet er, sich Kopfhörer aufzusetzen. Wer dieser Anleitung Folge leistet, kann sein Hörerlebnis tatsächlich intensivieren, denn dieser Bonner Konzertmitschnitt ist ein Klanggenuss der speziellen Art.
Die Aufnahme entstand im September 2007 in Bonn, wo Stockhausen auf Einladung der "Kunst-und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland" die Ausstellung "Ägyptens versunkene Schätze" bespielte. Doch nicht nur diese Kulisse war speziell: Stockhausens eingespieltes Trio mit dem Bassisten Arild Andersen und Drummer Patrice Héral traf sich erstmals mit dem Pianisten und Keyboarder Viadyslav Sendecki. Zudem verzichtete das Quartett auf Notenmaterial und konzeptuelle Absprachen.
Umso eindrücklicher und überraschender hören sich die Schätze an, die dieses Quartett zu heben im Stande war: zwei dreiviertelstündige Suiten, die nicht nur durchdacht, ja komponiert erscheinen, sondern ein Klangspektrum aufspannen, das von orchestraler Synthifusion über liedhaft-filigrane Soli bis zu komplexem Kammerjazz und atmosphärischen Ambientschlaufen reicht.
DIE MAXIMALE FREIHEIT
"Intuitive Musik" nennt Stockhausen diese Form der Improvisation, bei der man "sich aus jeglicher Bindung löst, ganz auf sein Inneres hört und die Musik im Moment erfindet", wie er kürzlich im Fachmagazin "Jazzthetik" erklärte. Stockhausen schöpft aus "stilistisch vollkommener Ungebundenheit" ein "Maximum an freier Musik" – jenseits herkömmlicher Improvisation, die zumeist auf bereits bekannten musikalischen Mustern basiere. Obwohl die Arbeit mit und an diesem Konzept nur einen Teilbereich seines Schaffens ausmacht, legt der 51-jährige Trompeter, Flügelhornist und Komponist grossen Wert darauf und zelebriert es vornehmlich im Trio MAP mit Mild Andersen und Patrice Héral.
Direkte, ja intime musikalische Begegnungen erlebte Stockhausen seit seiner Ausbildung in Köln, wo er parallel klassische und Jazz-trompete studierte. Denn sein Vater, der Musikkoloss Karlheinz Stockhausen, bezog ihn schon früh in seine Projekte mit ein. Markus arbeitete 25 Jahre lang mit seinem Vater, der ihn die Kunst der musikalischen Inszenierung und Opulenz lehrte.
DAS GUTE ZWIEGESRÄCH
Stockhausen junior arbeitet oft multimedial, mit Kunstschaffenden, für Theater- und Filmproduktionen, ist aber auch ein Spezialist in der Inszenierung von Musik. So hat er von 2000 bis 2008 in der Kölner St. MaternusKirche 108 Klangvisionen mit dem Lichtkünstler Rolf Zavelberg realisiert. Für sein Werk "Abendglühen" dagegen liess er 1500 (!) Bläser aufspielen, für "Tanzendes Licht" das Swiss Jazz Orchestra mitsamt der Camerata Bern.
Immer wieder sucht Stockhausen das musikalische Zwiegespräch. Etwa mit dem Gitarristen Ferenc Snètberger, seinem Halbbruder Simon Stockhausen oder der Klarinettistin Tara Bouman, die seine Ehefrau wurde. In der Duoarbeit mit ihr bündelt er seine wichtigsten Anliegen: die audiovisuelle Inszenierung einer Musik, deren Kosmos durch Intuition als multiples Soundgemälde erklingt.
In der DLF-Sendung zu Markus Stockhausens "Electric Treasures"-Projekt ist nicht der eingangs erwähnte Konzertmitschnitt aus Bonn zu hören, sondern ein Konzert an den Leipziger Jazztagen 2008. Da drängt sich ein Vergleich geradezu auf.
www.radiomagazin.ch
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From the project Klangvisionen (Visions of Sound):
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M. Stockhausen
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M. Stockhausen
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M. Stockhausen
