Die Zeit still stehen lassen
Project “Die Zeit still stehen lassen”
Die Zeit still stehen lassen
Auch wenn wir es uns oft anders wünschen, lenkt uns doch zu häufig alles Mögliche immer wieder davon ab, zur Ruhe zu kommen und etwas für uns zu tun. Gerade auch in der Weihnachtszeit, obwohl diese doch eigentlich eine Zeit der Besinnung in mehrfachem Sinne sein sollte: Sie verspricht nicht allein Gemeinsamkeit, ihre betörenden Gerüche und ihr warmes Licht lassen die Zeit ein bisschen stillstehen. Eigentlich... Nein? Doch genau das verspricht das neue, in der Kölner Philharmonie erstmals so veranstaltete Projekt von Markus Stockhausen. Im gemeinsamen Singen will der Künstler das beteiligte Publikum an die Phänomene Klang und Stille heranführen, die jeder individuell erfahren kann und soll: „Man legt alle Alltagsgedanken ab und kann sich ganz auf das Hören konzentrieren, die Augen schließen und fühlen, was der Klang bewirkt", sagt der Vollblutmusiker Markus Stockhausen. „Meistens ist ja so viel los, was ablenkt. Immer sind Geräusche um einen herum. Stille erlaubt man sich fast nie, obwohl diese jeder als sehr wohltuend empfindet."
Der Kölner Markus Stockhausen, Trompeter und Komponist, gleichermaßen zuhause in der Neuen wie improvisierten Musik und dem Jazz, macht immer wieder durch unkonventionelle Projekte auf sich aufmerksam. Durch genaue Beobachtung, zurückgreifend auf seine vielgestaltigen Erfahrungen entwickelt er sehr individuelle und überraschende Programme. Ihnen gemein ist eine außergewöhnliche „Leichtigkeit und Unangestrengtheit, Verspieltheit und augenzwinkernder Humor".
Auch für sein neues Klangprojekt führt Markus Stockhausen zwei Erfahrungen zusammen: In Kursen, die er regelmäßig zum Thema „Singen und Stille" abhält, ließ er die Teilnehmer schon mehrfach spontan und auf die Situation bezogen einfache Tonfolgen singen. Und vor seinen Konzerten in der Kölner Maternuskirche begann er irgendwann, die Zuhörer durch gemeinsames Singen auf das Konzert einzustimmen. „Die Idee", so sagt der Komponist, „kam mir in solchen Gruppen, in denen ich mit etwa 10 bis 30 Menschen gesungen habe. Dabei kam der Impuls: Ich muss das mal in einem großen Saal ausprobieren, wenn da 1000 oder 2000 Menschen sind."
Aber was erwartet die Beteiligten nun eigentlich? Man muss nicht singen können, um mitzumachen. Es werden keine komplizierten Gesänge einstudiert, sondern einfache Klangübungen vor- und nachgesungen. Dabei begleitet und unterstützt ein Instrumentalquartett, zu dem neben Markus Stockhausen auch Tara Bouman, Florian Weber und Dimitrios Dorian Kokiousis gehören, das Publikum. Es wird sehr viel spontan, aus dem Moment heraus entstehen. Die harmonischen – im Sinne von wohltuenden – Gesänge der Beteiligten können durchaus auch in Einzel- oder Gruppenimprovisationen münden. Dann erfüllt ein stehender Dreiklang für einige Minuten den gesamten Saal. Und immer wieder kann man dem Klang nachhorchen, mit ihm verschmelzen und so die Qualität der inneren Stille erfahren.
„Letztlich entfaltet sich hierin", so Stockhausens Vision, „eine Klangvielfalt, die enorm ist und alle, die daran teilnehmen, erhebt. Man wird Teil eines Klangphänomens, das gewaltig sein kann und beglückend. Ich wünsche mir, die ganze Philharmonie durch Klang zum Schwingen zu bringen. Das ganze ist ein großes Klangexperiment und ich bin selber gespannt, wie es gelingt."
Wenn Sie also schon voller Unruhe an die vielen Weihnachtsgeschenke denken, die Sie noch besorgen müssen – warum schenken Sie sich und anderen nicht einfach mal ein einmaliges Klangerleben und ein bisschen Stille?
Text: Susanne Laurentius
From the project COMING TOGETHER:
Project info
Biography:
M. Stockhausen
Tara Bouman
Photos for the media:
M. Stockhausen
Tara Bouman
Concert dates:
M. Stockhausen
Tara Bouman
